Reisen mit CF

 

 

 

Reisewege (Vortrag im Rahmen der Patiententagung vom 09.Juli.2005

Verfasser Dr. med. Rainald Fischer

Reisen und Mukoviszidose – kurze und lange Fahrten

 

Vorbereitung

 

Je nach Reiseziel, Reisedauer und den eigenen müssen unterschiedliche Vorbereitungen getroffen werden.

Insbesondere Reisestil (5-Sterne-Hotel oder Rucksackreise), das Reiseziel, die Reisedauer und die Reisebegleiter entscheiden über notwendigen Vorbereitungsschritte.

Grundsätzlich sollte eine geplante Reise mit dem Mukoviszidoseteam abgesprochen werden, hier können Sie im Einzelfall sicher wichtige Informationen bekommen.

 

Vor jeder Reise sollten Informationen eingeholt werden über Land, Leute, Klima. Gerade für CF-Patienten ist die Wahl der richtigen Klimazone bzw. der richtigen Jahreszeit wichtig. Durch zu starkes Schwitzen kann es zu einem starken Salzverlust kommen, dieser muss dann durch ausreichend Salzzufuhr wieder kompensiert werden.

 

Impfungen:

Vor jeder Reise sollten die dafür notwendigen Impfungen beachtet werden. Neben den für alle CF-Patienten, unabhängig von einer Reise, zu empfehlenden Impfungen (Grippe, Pneumokokken) sollte auch ein vollständiger Basisschutz mit Impfungen gegen Diphterie, Tetanus, Polio, Pertussis, Hepatitis B, Masern, Mumps, Röteln vorhanden sein. Empfehlenswert sind auch Impfungen gegen FSME und Hepatitis A.

Je nach Reiseland kann eine Gelbfieberimpfung notwendig sein (in verschiedenen Ländern zur Einreise vorgeschrieben). Darüber hinaus ist auch eine Meningokokkenimpfung bzw. eine japanische Enzephalitisimpfung zu empfehlen, wenn längere Aufenthalte entweder im Meningokokkengürtel, südlich der Sahelzone, in England oder im Fernen Osten geplant sind. Eine Impfung gegen Tollwut ist nur im Einzelfall zu empfehlen, wenn eine Impfung nach einem Hundebiss nicht möglich erscheinen sollte (z. B. im tiefen Hinterindien).

 

Die Impfungen im einzelnen:

 

Hepatitis A: zwei Spritzen, am Tag 1 und nach 6 Monaten, auch direkt vor Abreise möglich. Impfschutz über 10 Jahre.

 

Hepatitis B: drei Spritzen, am Tag 1, Tag 28 und nach 6 Monaten, Impfschutz frühestens nach 3 Wochen, Dauer des Impfschutzes mindestens 10 Jahre.

 

Gelbfieber: eine Spritze, mindestens 10 Tag vor der Abreise, Impfschutz über 10 Jahre.

 

Polio: sinnvoll bei Reisen nach Asien und Afrika, eine Spritze, langer Impfschutz.

 

Typhus: eine Spritze, alternativ auch Schluckimpfung möglich, kann direkt vor Abreise genommen werden, Impfschutz etwa 3 Jahre.

 

Tollwut: nach jedem Hundebiss mit möglicher Infektion zu empfehlen, eine Impfung nach dem Biss ist möglich und im Zweifelsfall immer zu empfehlen, auch kurze Impfschemata sind möglich, die Impfschutzdauer beträgt 10 Jahre.

 

FSME: drei Spritzen, am Tag 1, Tag 7, Tag 21, Impfschutz beginnt 14 Tage nach der zweiten Spritze, Impfschutzdauer 3 Jahre.

 

Malariaprophylaxe:

Malaria wird von Dämmerungs- und nachtaktiven Moskitos übertragen, dabei können unterschiedlich schwere Krankheitsbilder entstehen. Die Grundlage jeder Malariaprophylaxe ist die Vermeidung von Mückenstichen.

 

„Jeder kann Malaria kriegen aber niemand muss daran sterben“

 

Entscheidend ist, sorgfältig vorzubeugen, an die Erkrankung zu denken und sie dann frühzeitig zu behandeln.

Das größte Risiko besteht im tropischen Afrika, die Gefährdungen Südostasien oder in Südamerika ist deutlich geringer. In Regel ist eine medikamentöse Prophylaxe ausreichend, in Regionen mit niedrigerem Gefährdungspotential ist die Mitnahme einer Stand by - Medikation ausreichend.

 

Wichtige Regeln zur Vermeidung von Mückenstichen:

  • Körperbedeckende Kleidung tragen
  • Insektenabweisende Mittel als Creme oder Lotion verwenden (DEET - Derivate)
  • In Wohn- oder Schlafbereichen insektenabtötende und abweisende Mittel wie Räucherspiralen, Räucherstecker, Verdampfer verwenden
  • Die Dämmerung in mückengeschützten Räumen verbringen (Räume mit Klimaanlage,  dichte Fliegengitter vor Fenster und Türen)
  • Nachts das Bett immer mit Moskitonetz verhängen, auch bei Räumen mit Klimaanlage.
  • Während der Regenzeit Reisen in Hochrisikogebiete meiden.

 

Die medikamentöse Prophylaxe oder die Stand by - Medikation (empfehlenswert sind in der Regel entweder Lariam oder Maalarone) sollte immer mit dem CF-Team besprochen werden.

 

Medikamentenmitnahme:

Neben einer allgemeinen Reiseapotheke (welche CF-Patienten sowieso meistens in ihrer normalen Medikation dabei haben) sollte Verbandszeug oder eine antiallergische Creme nicht vergessen werden. Mitnehmen sollte man auf jeden Fall Medikamente gegen Fieber und Schmerzen (Ibuprofen), Augentropfen und Nasentropfen. Zusätzlich sollte ein Fieberthermometer, ein Desinfektionsmittel (Octenisept), Pflaster, Mullbinden, elastische Binden und eine sterile Wundauflage mitgenommen werden.

 

CF-spezifische Medikamente:

Zuerst sollte darauf geachtet werden dass ausreichend Medikamente mitgenommen werden, es sollte  nicht nur der Mindestvorrat eingepackt werden. Auch Verspätungen oder Umbuchungen sollten einkalkuliert werden. Günstig ist es, die Medikamente ins Handgepäck mitzunehmen, auch wenn evtl. ein zweiter Koffer notwendig wird. Dieser sollte deutlich mit Namen und Anschrift gekennzeichnet werden. Auch eine Bescheinigung in Englisch über die Notwendigkeit der Medikamentenmitnahme und Verwendung sollte mitgeführt werden. Wo immer möglich, sollten die Medikamente dunkel und trocken gelagert werden, geschützt vor Sonneneinstrahlung.

 

Inhalationen:

TOBI ist bei Lichtschutz (z.B. im Koffer) bis zu 4 Wochen ohne Kühlung haltbar, auch Colistin kann lichtgeschützt unproblematisch gelagert werden. Pulmozyme braucht Kühlung. Daher ist zu überlegen, ob während einer Urlaubsreise nicht darauf verzichtet werden kann und alternativ z.B. hypertone Kochsalzlösung (3% - 5,85%) mitgenommen wird.

Der aus unserer Sicht am besten geeignete Inhalator ist der e-flow von Pari, durch Akkubetrieb, Batteriebetrieb, Spannungsbereich von 110 – 220 Volt, kann dieses Gerät flexibel eingesetzt werden. Ausreichend Ersatzteile sollten jedoch mitgenommen werden, ebenso Steckendosenadapter. Eine Desinfektion ist entweder durch Auskochen oder mittels Octeniseptspray möglich.

 

Diabetes und Reisen:

Unbedingt ausreichend Insulin mitnehmen. Insulin kühl und lichtgeschützt lagern (Kühlschrank). Zusätzlich unbedingt den mehrsprachigen Diabetikerausweis mitnehmen, darauf achten, dass ein Ersatzpen, ein Ersatzblutzuckermessgerät und Ersatzinsulin mitgeführt werden. Auch ein Hypoglycämienotfallset sollte dabei sein. Die Sonderration Traubenzucker in der Tasche sollte auch nicht vergessen werden.

Bei längeren Reisen auf den Jet-lag achten. Bei Reisen nach Westen verlängert sich der Tag, hier muss entsprechend der Zeitverschiebung mehr Insulin gegeben werden: z.B. Zeitverschiebung um 6 Std. entspricht 6/24  (25%) mehr Insulin, bei Reisen in den Osten gilt dies umgekehrt.

 

Physiotherapie:

Gerade auf Reisen sollte die Physiotherapie nicht vergessen werden. Dazu gehört auch Sport, wobei auch auf ausreichend Flüssigkeit und Salzzufuhr immer geachtet werden muss.

 

Transportmittel:

Reisen zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Auto sind in der Regel unproblematisch, hier kann bei Bedarf immer gestoppt werden. Bei Schiffsreisen daran denken, dass bei Notfällen eine Evakuierung manchmal schwierig ist. Daher sollten Reisen auf Schiffen in stabilem Zustand angetreten werden.

Bei Flugreisen gibt es ein paar wichtige Dinge zu beachten:

Auf Langstreckenreisen besteht eine Verminderung des Luftdrucks, entsprechend einer Höhe von etwa 2400 m. Daher ist die Versorgung mit Sauerstoff herabgesetzt. Das ist in der Regel für die meisten CF-Patienten kein Problem, Patienten mit stärkerer Lungenfunktionseinschränkung sollten vorher mit ihrem CF-Team sprechen. In der Regel kann auch eine längere Reise mit ohne zusätzlichen Sauerstoff toleriert werden, im Einzelfall können Testmessungen in unserem Labor durchgeführt werden.

Wenn sich abzeichnet, dass Sauerstoff auch während des Fluges benötigt wird, sind längere Vorbereitungen notwendig. Auch entstehen Zusatzkosten für die Bereitstellung des Sauerstoff während des Fluges. Diese betragen je nach Fluglinie und –strecke zwischen 50 und 500 Euro.

Patienten die während des Fluges Sauerstoff brauchen, werden in der Regel auch oder zumindest gelegentlich im Urlaubsland Sauerstoff benötigen. Für die Organisation bei diesen speziellen  Fragen steht Ihre CF-Ambulanz sicher gerne zur Verfügung.

 

Endlich angekommen:

Nach der Ankunft ist die langsame Gewöhnung in die Umgebungsbedingungen notwendig, daher in den ersten drei bis vier Tagen nicht zuviel Aktionen planen.

Erholung und Ruhe steht an erster Stelle.

Bei Fernreisen daran denken, dass Essen und Getränke möglicherweise nicht den hygienischen Standards bei uns entsprechen. Der Merksatz „boil it, cook it or forget it“ ist immer gültig.

Wichtig ist viel zu trinken, insbesondere Mineralwasser, um den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen auszugleichen. Darauf sollten besonders Patienten achten, die durch die Entwicklung eines distalen instestinalen Obstruktionssyndrom (DIOS) gefährdet sind.

Im Einzelfall sollten diese Patienten z.B. Kleenprep – Beutel (Abführflüssigkeit)  mitnehmen. Auch Salztabletten (NaCl 1 g) und Elektrolytgetränke sind wichtig. Bei bakteriell bedingten Durchfällen sollte Clont (Metronidazol 3 x 400 mg) und Ciprobay (Ciprofloxacin 2 x 750 mg) genommen werden.

Vor Ort sollten die Notfalladressen überprüft werden, Notfallkontakte sollten abgeklärt werden. Wichtig ist, dass Unterlagen wenn möglich in Kopie sicher aufbewahrt werden, auch die Reisebegleiter sollten über diese Dinge informiert werden.

 

Dann steht der Erholung, dem Genießen der fremden Umgebung und der Freude am Reisen nichts mehr entgegen.

 

Checkliste vor der Abreise:

  • Reisepass oder Personalausweis einpacken, Gültigkeit überprüfen, ggf. Visum besorgen.
  • Fotokopien der wichtigsten Papiere.
  • Zusätzliche Passfotos mitnehmen.
  • Impfschutz überprüfen.
  • Krankenkassenschutz überprüfen.
  • Abschließen einer zusätzlichen Reisekranken-, Reiserücktritts- und Reisegepäckversicherung.
  • Scheckkarte und Kreditkarte auf Gültigkeit überprüfen.
  • Evt. Devisen für den ersten Urlaubstag mitnehmen
  • Stromversorgung im Urlaubsland abklären, evt. Adapter mitnehmen.
  • Grüne Versicherungskarte bei Autoreisen mitnehmen, sowie Versicherungsschutzbrief.
  • Ausreichend Medikamente mitnehmen und Antiobiotikum für Exacerbationen einpacken.
  • Schreiben der Ambulanz mit allen Diagnosen, Medikamenten, genauen Dosierungsplan der mitgeführten Medikamente besorgen.

 

11 Goldene Regeln während der Reise

  • ein guter Sonnen- und Hitzeschutz
  • sinnvolle Reiseapotheke mitführen
  • keine ungeschützten Intimkontakte
  • guter Mücken- und Insektenschutz
  • Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene konsequent einhalten
  • Nicht in tropischen Gewässern baden (Achtung - Burkholderia pseudomaleii)
  • Nicht barfuss laufen (Achtung – Burkholderia pseudomaleii)
  • Malariaprophylaxe, Tabletten konsequent einnehmen
  • Adresse der Botschaft vor Ort für Notfälle mitnehmen
  • Vor der Reise individuell reisemedizinisch beraten lassen
  • Postkarte an das CF-Zentrum

 

 

Nach der Reise:

Bei unklaren körperlichen Beschwerden, insbesondere Durchfällen oder Husten bitte immer kurzfristig mit dem CF-Team Kontakt aufnehmen, je nach Reiseland kann auch die Durchführung einer Sputumkontrolle sinnvoll sein.

Ganz wichtig ist es, Fotos von der Reise beim nächsten Ambulanzbesuch mitzubringen.